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Zeittafel zu Kapitel 4

1938 bis 1945 Das Naziregime löst die Einheitsgewerkschaften auf. Funktionäre und Funktionärinnen der Untergrundgewerkschaften werden verhaftet und in Konzentrationslager eingewiesen, ebenso wie die der Sozialdemokratischen und der Kommunistischen Partei. Die ArbeiterInnen und Angestellten müssen der Deutschen Arbeitsfront beitreten, der aber auch die Unternehmer angehören. Die DAF ist also keine Interessenvertretung der Arbeitenden, sondern eine Organisation, die die Arbeitenden kontrolliert.

Das Naziregime beraubt die ArbeiterInnenschaft ihrer erkämpften Rechte, ihrer politischen und gewerkschaftlichen Vertretung. Das Schicksal, das den Insassen der Konzentrationslager – den politischen Gegnern der Nazis ebenso wie den Juden und Roma – zugedacht ist, heißt zunächst, bevor die systematischen Tötungen durch Erschießen oder Vergasen beginnen: „Vernichtung durch Arbeit“. Im Steinbruch oder auf der Baustelle sollen sie sich bei mangelhafter Ernährung zu Tode schuften. Auch in den Vernichtungslagern werden die Arbeitsfähigen zunächst noch als Arbeitssklaven genutzt, während die Kranken und Schwachen gleich ins Gas geschickt werden. Während die deutschen und österreichischen Arbeiter an der Front verbluten, müssen die Frauen in den Munitions- und Rüstungsbetrieben ihre Stelle einnehmen. Doch da das nicht reicht, holt das Regime ZwangsarbeiterInnen aus den besetzten Ländern. Auch die werden in Lagern untergebracht und kaum besser ernährt als die KZ-Häftlinge, sie werden durch Prügel bestraft, wenn sie nicht spuren und sterben massenweise an Unterernährung. 1944 stellen ZwangsarbeiterInnen 20% der Arbeitskraft in Deutschland.


Zwangsarbeiter aus Russland

In den geheimen Widerstandsgruppen arbeiten zunächst FreigewerkschafterInnen, SozialdemokratInnen und KommunistInnen zusammen. Später stoßen aber auch Menschen aus christlichen, aus bürgerlichen und bäuerlichen Kreisen dazu. Zunächst geht es darum, Verbindungen aufzubauen und von den Nazis Gejagte zu verstecken und mit Lebensmitteln zu versorgen, später werden Sabotageakte verübt um die Niederlage der Nazis zu beschleunigen. In den letzten Monaten geht es darum, die Zerstörungen zu verhindern, die die Nazis noch in letzter Minute auf ihrem Rückzug versuchen.


Österreichische WiderstandskämpferInnen schlossen sich auch den jugoslawischen Partisanen an

 

1945 Am 13. April befreit die Rote Armee Wien.

Noch während der Kampf um Wien tobt, treffen sich sozialistische, christlichsoziale und kommunistische Gewerkschafter und beschließen einen einheitlichen österreichischen Gewerkschaftsbund aufzubauen. Es soll keine getrennten Richtungsgewerkschaften mehr geben.

Die erste Aufgabe, vor der die arbeitenden Menschen nun stehen, ist, die Trümmer wegzuräumen und die Betriebe wieder in Gang zu setzen, so gut es geht. Der ÖGB setzt sich dafür ein, dass die wichtigsten Unternehmen, die ehemals (nationalsozialistisches) deutsches Eigentum waren, verstaatlicht werden, z.B. die großen Stahlwerke in Linz.

1947 bis 1950 Um eine geordnete Entwicklung der Wirtschaft zu ermöglichen, schließen ÖGB und Arbeiterkammer auf der einen Seite, Bundes- und Landwirtschaftskammer auf der anderen Lohn-Preis-Abkommen. Viele ArbeiterInnen meinen, dass die ÖGB-Führung sich zu sehr von den Interessen der Unternehmer vereinnahmen lässt. Die Unternehmer wollen die Löhne niedrig halten, um die Gewinne in einen schnellen Wiederaufbau investieren zu können.

1950 Nach dem 4. Lohn-Preis-Abkommen kommt es im Oktober zu Protesten gegen die ÖBG-Führung und zu Streiks. Die Streikbewegung beginnt bei der VÖEST in Linz und erreicht schnell auch Wien. Insgesamt 120.000 ArbeiterInnen beteiligten sich. Eine von Kommunisten organisierte gesamtösterreichische Betriebsrätekonferenz in der Floridsdorfer Lokomotivfabrik ruft zum Generalstreik auf. Die Regierung und die ÖGB-Führung beschuldigen die Kommunisten, einen Putsch gegen die Regierung zu planen. Trupps der von Franz Olah geführten Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter gehen unterstützt von der amerikanischen Besatzungsmacht gegen die Kommunisten vor. Am 6. Oktober wird der Streik beendet.

1955 Abschluss des Staatsvertrags, Abzug der Besatzungstruppen.


Das "Allgemeine Sozialversicherungsgesetz" (ASVG) wird 1956 beschlossen

1957 ÖGB und Bundeswirtschaftskammer einigen sich auf die Gründung der „Paritätischen Kommission für Preis- und Lohnfragen“. Diese von Arbeitergeber- und Arbeitnehmerseite zu gleichen Teilen (paritätisch) besetzte Kommission wird für Jahrzehnte das wichtigste Instrument der Sozialpartnerschaft. Generalkollektivverträge zwischen ÖGB und Bundeswirtschaftskammer, deren Inhalt dann Gesetz wird, sind auf Grund dieser Sozialpartnerschaft möglich.


Plakat zur Paritätischen Kommission


Mit der "45" auf dem Helm demonstrieren Bergarbeiter für die 45-Stundenwoche

1959 Generalkollektivvertrag über die 45-Stundenwoche.

1964 Verlängerung des Mindesturlaubs auf drei Wochen.

1969 Volksbegehren zur schrittweisen Einführung der 40-Stundenwoche.

1973 Das Arbeitsverfassungsgesetz fasst die bestehenden Mitbestimmungsregelungen (Betriebsrätegesetz, Kollektivvertragsgesetz, Jugendvertrauensrätegesetz) zusammen.


Plakat der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ)

1975 Nachdem die Wochenarbeitszeit 1970 auf 43 Stunden, 1972 auf 42 Stunden verkürzt wird, ist die 40-Stundenwoche 1975 endlich erreicht.

1978 Volksabstimmung über das Verbot von Atomkraftwerken in Österreich. Der ÖGB hatte die Errichtung des Atomkraftwerks Zwentendorf unterstützt mit dem Argument, die Energiegewinnung aus Atomkraft sei notwendig, um Arbeitsplätze zu erhalten. Der Ausgang der Volksabstimmung machte Österreich zu einem der wenigen Länder ohne Atomkraft.

1984 Der ÖGB verlangt den Bau des Donaukraftwerks in der Hainburger Au. Die Besetzung der Au mit großer Unterstützung aus der Bevölkerung verhindert den Bau des Kraftwerks.


Polizeieinsatz gegen AubesetzerInnen

2001 Im Juli Demonstrieren 50.000 ArbeitnehmerInnen gegen die Aushöhlung des Sozialversichungssystems durch die ÖVP-FPÖ-Regierung. Einige Kompromisse werden erreicht.

2003 200.000 Menschen demonstrieren auf dem Wiener Heldenplatz gegen Pensionsraub.


Die "Regendemonstration" von 2003

2006 Der ÖGB wird vom BAWAG-Skandal erschüttert. Die Chefs der gewerkschaftseigenen Bank hatten sich auf Spekulationsgeschäfte eingelassen und Milliarden verspielt.

Im November 2006 tagt in Wien die Gründungskonferenz des neuen Internationalen Gewerkschaftsbunds. In ihm schließen sich der Internationale Bund freier Gewerkschaften (sozialistische Gewerkschaften) und der Weltverband der Arbeitnehmer (christliche Gewerkschaften) zusammen.


Gründungskongress des IGB

2007 Die Sozialpartner einigen sich auf 1.000 Euro Mindestlohn bis 2009.


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Martin Auer
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